Der Sturz

Der leichte Schwindel, der mich überkommt, weil ich seit Stunden rückwärts in Fahrtrichtung des ICs sitze, erinnert mich an das pure Glück als 12 jährige in einer Achterbahn zu sitzen, die sich ratternd auf den Höhepunkt Richtung Himmel schleppt, während meine Mutter am sicheren Boden steht und mit ihren Augen sagt: “Monatelang habe ich dich in meinem Bauch getragen, deine Knochen, deine Muskeln, deine Haut deine Nägel, deine Augäpfel, deine Zähne, jedes deiner Organe, alles an dir erschaffen und ernährt und beschützt, habe dich unter Schmerzen geboren, Habe dich begleitet und deine Stärken noch stärker gemacht, habe gekocht und gewaschen, habe dich getröstet und dir geholfen. Habe jahrelang deine Welt so schön gemacht wie ich nur konnte, damit du an Schönes gewohnt bist und dich immer wertvoll fühlst, immer. Und jetzt setzt du diesen meinen, nein deinen, aber eigentlich doch meinen Körper in dieses schreckliche, gefährliche, riskante Monster.”

Kurz vor dem besten Moment, dem Sturz in die Tiefe, denke ich, ich hätte ihr das ersparen sollen.

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